ARCHITEKTUR

Die VHF verbindet gestalterische Freiheit mit bauphysikalischer Präzision – für Architektur, die bleibt.

Die vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) ist weit mehr als eine Gebäudehülle: Sie ist ein architektonisches Werkzeug. Durch die konstruktive Trennung von Tragstruktur, Dämmung und Bekleidung entstehen Gestaltungsspielräume, die mit anderen Fassadensystemen kaum erreichbar sind.

Materialvielfalt ohne Grenzen

Ob mineralisch, metallisch oder organisch – die VHF ist materialoffen. Faserzement, Naturstein, Keramik, Metall oder Holz lassen sich frei einsetzen und kombinieren. Unterschiedliche Formate, Texturen und Farbwelten ermöglichen differenzierte Fassadenbilder – von ruhig und monolithisch bis hin zu lebendig und vielschichtig.

Präzision im Ausdruck

Die Fassadenbekleidung wird unabhängig von der tragenden Struktur montiert. Das erlaubt eine exakte Durcharbeitung von Fugenbildern, Linienführungen und Proportionen. Auch komplexe Geometrien, Reliefs oder perforierte Flächen lassen sich präzise umsetzen – ein entscheidender Vorteil für anspruchsvolle Entwurfskonzepte.

Integration von Funktionen

Die VHF ermöglicht es, technische Funktionen gestalterisch zu integrieren: Photovoltaik-Module, Verschattungselemente oder akustisch wirksame Oberflächen werden Teil der Architektur. So entsteht eine Gebäudehülle, die nicht nur schützt, sondern aktiv zur Performance des Gebäudes beiträgt.

Besonders stark in der Sanierung

Gerade im Bestand zeigt die VHF ihre Stärken. Sie kann auf bestehende Aussenwände aufgebracht werden, ohne die Nutzfläche im Inneren zu reduzieren. Gleichzeitig lassen sich energetische Anforderungen effizient erfüllen und architektonische Qualitäten neu definieren.

Nachhaltigkeit über den Lebenszyklus

Dank der hinterlüfteten Konstruktion bleibt die Dämmung trocken und leistungsfähig. Materialien können sortenrein getrennt und wiederverwendet werden – ein wichtiger Beitrag zur Kreislaufwirtschaft. Zudem ermöglicht die flexible Konstruktion Anpassungen und Teilersatz über die Zeit.

Behaglichkeit und Bauphysik

Die Hinterlüftungsebene reguliert Feuchtigkeit zuverlässig und schützt die Konstruktion vor Witterungseinflüssen. Für die Nutzerinnen und Nutzer bedeutet das ein angenehmes Raumklima. Die VHF verbindet somit architektonische Qualität mit hoher bauphysikalischer Leistungsfähigkeit.

Häufig gestellte Fragen von ArchitektInnen zur VHF

Beim Wärmedämm-Verbundsystem (WDVS) wird die Dämmung direkt auf die Aussenwand geklebt und verputzt – Dämmung und Witterungsschutz sind eine Einheit. Bei der VHF sind diese Funktionen konstruktiv getrennt durch einen Hinterlüftungsraum. Dies erlaubt eine bessere Feuchteregulierung, höhere Gestaltungsfreiheit und vereinfacht Sanierungen und Rückbau.

Die VHF ist materialoffen: Faserzement, Naturstein, Keramik, Metall (Aluminium, Titanzink, Kupfer), Holz, HPL-Platten sowie Photovoltaik-Module sind möglich. Auch Materialkombinationen innerhalb einer Fassade sind problemlos realisierbar.

Ja, und das ist einer ihrer grössten Vorteile. Die VHF kann nachträglich an bestehende Aussenwände angebracht werden, ohne die Grundfläche zu reduzieren. Sie erfüllt dabei alle energetischen Anforderungen gemäss Gebäudeenergiegesetz (GEG) und eignet sich optimal für die energetische Modernisierung von Bestandsgebäuden.

Die durchschnittliche Lebensdauer beträgt rund 50 Jahre bei minimalem Wartungsaufwand. Einzelne Elemente können bei Bedarf einfach ausgetauscht werden, ohne die gesamte Fassade zu erneuern.

Die VHF ist geregelt in der DIN 18516-1 «Aussenwandbekleidungen, hinterlüftet». Der SFHF als Schweizer Fachverband für hinterlüftete Fassaden bietet zudem praxisorientierte Weiterbildung und Fachinformationen für ArchitektInnen und PlanerInnen.

Durch den Hinterlüftungsspalt muss ein Brandüberschlag verhindert werden. Gemäss Vorschriften sind in bestimmten Abständen horizontale Brandsperren im Hinterlüftungsraum einzubauen. Viele Bekleidungsmaterialien wie Faserzement sind nicht brennbar (A1) und erfüllen damit höchste Brandschutzanforderungen.

Ja, Photovoltaik-Module können als Fassadenbekleidung direkt in die VHF integriert werden. Dies ermöglicht eine ästhetisch hochwertige und energieproduzierende Gebäudehülle – ein wachsendes Segment im modernen Fassadenbau.

Die VHF hat in der Erstellung höhere Investitionskosten als ein WDVS. Über den Lebenszyklus gerechnet ist sie jedoch oft wirtschaftlicher, da Unterhaltskosten minimal sind, einzelne Elemente einfach ersetzt werden können und der Immobilienwert dauerhaft erhalten bleibt.

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